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Bunter Erzählstoff für die Nachwelt

19.12.2011 22:42 von Matthias Kaufhold

Wie die 1844-Volleyballer den ungeschlagenen Spitzenreiter Dresden in drei Sätzen aus allen Weihnachtsträumen rissen

FREIBURG (zm).  Sollte es für die Zweitliga-Volleyballer der FT von 1844 Spiele geben, deren Dimension die Halbwertszeit einer Saison übersteigt, dann gehört der Schlagabtausch vom vergangenen Samstag gegen den VC Dresden ganz sicher dazu. Dieses Duell, das die Gastgeber von der FT 1844 vor 450 begeisterten Zuschauern gegen den Tabellenführer der zweiten Bundesliga Süd mit sage und schreibe drei zu null, in Zahlen 3:0 (25:22, 25:18, 25:19), für sich entschieden, taugt gar als bunter Erzählstoff für die Nachwelt. Denn die Vorgeschichte ließ nun alles andere als dieses Ergebnis erwarten!

Vielleicht erzählen die (angehenden) Väter von der Freiburger Turnerschaft ihren Nachkommen tatsächlich einmal von diesem Spiel. Wie sie in der Vorwoche nach durchwachsener Leistung nicht nur das Derby beim TuS Durmersheim  mit 1:3, sondern auch Sascha Helwig wegen Roter Karte mit einem Spiel Sperre verloren. Wie dann auch noch Andreas Prein und Tobias Vetter ausfielen. Wie sich Dresden im Spitzenduell gegen den GSVE Delitzsch warm schoss (3:1) und in Freiburg en passant den zwölften Sieg im zwölften Spiel abholen wollte. Und wie es dann alles ganz, ganz anders kam.

Alles begann mit zwei Dresdner Aufschlagpunkten und damit ziemlich standesgemäß. Freiburg suchte in den Annahme nach Sicherheit, Dresden erarbeitete sich mit routiniertem Spiel, eingefädelt durch die Pässe von Spielertrainer Sven Dörendahl, einen kleinen Vorsprung. Bis zum 18:14. Dann verunsicherten die Freiburger mit gezielten Sprung-Flatter-Aufschlägen die sächsische Baggerreihe. Zudem bewiesen die Gastgeber, dass auch ihr Block nicht von schlechten Eltern ist. Bei 22:21 gab’s erstmalig eine Führung für die FT, die kurz danach ihren ersten Satzball humorlos verwandelte.

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Der Satzverlust beeindruckte die noch ungeschlagenen Gäste, die nicht mit dieser plötzlichen Wende gerechnet hatten. Dörendahl versuchte seine Jungs mit deutlichen Worten wachzurütteln, doch irgendwie kam der Dresdner Motor an diesem Tag nicht auf Touren. Was vor allem mit der Unbekümmertheit des Tabellendritten zu tun hatte. „Wir haben nach zwei, drei Fehlern nicht angefangen nachzudenken“, beschrieb Diagonalangreifer Frederic Barth das unverdrossene, gar unverfrorene Angriffs- und Aufschlagspiel des Herausforderers. Freiburg hatte nichts zu verlieren und spielte sich mit dem Satzgewinn im Rücken Zug für Zug in einen kleinen Rausch.

Es passte einfach alles an diesem Tag: Zuspieler Bernhard Steiert beeindruckte nicht nur mit gewieftem Zuspiel (erst viel Mitte, dann mehr über Außen und Hinterfeld), er sicherte dem 1844-Kollektiv mit starken Aufschlägen auch den Gewinn des zweiten Satzes. Die Mitte mit David Landa und Eric Dufour-Feronce hatte im Schnellangriff eine fast hundertprozentige Erfolgsquote und streute immer wieder demütigende Blocks ein. Außen machten Jan Jansen und Wolfgang Beck nur wenig Fehler. Jansen präzisierte mit zunehmender Spieldauer sein Service, Beck wirkte nach sieben Spielen Pause wie dem Jungbrunnen entstiegen. Die Kombinationen mit Steiert liefen am Schnürchen, und in der Annahme zeigte der Spielertrainer im Verbund mit Libero Jakob Schönhagen, der auch in der Feldabwehr Akzente setzte, seine ganze Klasse. „Wolles Präsenz auf dem Feld hat dem Team emotional einen Kick gegeben“,  bestätigte Barth.

Der lediglich 1,80 Meter große Diagonalangreifer bereitete sich im dritten Satz dann selbst eine Bühne: Vehemente Aufschläge, gewiefte Angriffe (meist gegen die Blockhände überforderter  Dresdner) und als Krönung ein brachialer Einerblock gegen den 2,01-Hünen René Andörfer. „Ja, ja“, sinnierte Beck hinterher, „eigentlich kann’s gar nicht besser laufen“.

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Dresden jedenfalls fand aus der Negativspirale nicht mehr heraus. Personelle Alternativen schieden wohl auch wegen so mancher verletzungsbedingter Absenz aus. Die Gäste tauschten jedenfalls im dritten Satz nicht mehr aus. Es war das Eingeständnis ihrer Unterlegenheit an diesem denkwürdigen Tag, den die Freiburger nun als „Flow-Erlebnis“ (Beck) mit in die kurze Weihnachtspause nehmen. Denn bereits am 7. Januar geht’s für sie mit einem Auswärtsspiel in Delitzsch weiter. Hier treffen somit am letzten Spieltag der Hinrunde die punktgleichen Verfolger von Dresden aufeinander. Sowohl der Zweite Delitzsch als auch der Dritte Freiburg haben vier Zähler Rückstand auf den Spitzenreiter. 

Dass Beck nach diesem Triumph kurz vor Weihnachten nun wohl die eine oder andere Frage wird aushalten müssen, ob die Freiburger nun ihr Saisonziel ein wenig nach oben korrigieren, lässt sich wohl nicht vermeiden. Wie ernsthaft mögliche Titelambitionen bei 1844 aber sind, lässt sich aus Becks Bewertung des neunten Saisonerfolgs erkennen: „Uns fehlen noch sechs Punkte bis zum Klassenerhalt.“  Die singuläre Dimension dieses Erfolgs wollte der Spielertrainer aber nicht klein reden: „So etwas gibt es nur alle drei, vier Jahre.“

 

Nächstes Spiel:

Samstag, 7. Januar 2012, 20 Uhr:

GSVE Delitzsch – FT von 1844 Freiburg

Nächstes Heimspiel:

Samstag, 14. Januar, 20 Uhr (Burdahalle):

FT von 1844 – TG Rüsselsheim

 

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